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TV-SENDUNG • WZ > Dezember 2023

Integration und Verantwortung

Vielfalt nutzen – Zukunft gestalten

Von Redaktion, Dezember 2023

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Ein Projekt mit der IGS Flötenteich in Oldenburg

Integration ist und bleibt ein zentrales Thema unserer Gesellschaft. Wir werden immer interkultureller und Menschen aus vielen Kulturen und Länder der Erde bereichern unsere Gesellschaft. Die Integration so vieler verschiedener Menschen in einem Land passiert nicht von allein.

Die Schüler:innen des 8. Jahrganges der IGS Flötenteich erfahren in diesem Projekt Konzepte, wie eine gelungene Integration geschehen kann. Unser Projekt soll in der Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit eines sozial-ökologischen gesellschaftlichen Wandels die Verwobenheit der Themen Klimakrise mit Kolonialität/Moderne sichtbar machen. Im Fokus steht dabei, Klimaschutzhandeln mit den Fragen sozialer Gerechtigkeit global und lokal zu verknüpfen, und politische (Alltags-) Probleme wie Armut, Rassismus, Gender oder natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit in seiner historisch-politischen wie kosmopolitisch-ethischen Dimension zu thematisieren. Gelingende Integration findet ihren besten Ausdruck, wenn sie darin mündet, gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Video aus dem Projekt

Einen Beitrag konnten wir mit den Schüler:innen während der Projekttage aufzeichnen. Er steht aber hier unabhängig von einer Sendung, die vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt entsteht, zur Verfügung. Ein zweiter Beitrag zu Integration im Sport ist aufgezeichnet und wird hier in Kürze ebenfalls veröffentlicht.

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Rassismus in der Schule – Was tun? Die Abgeordnete Lena Nzume aus Oldenburg, bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, fordert für den Lernort Schule diesen als diskriminierungsfreien Raum. | Video

Bericht aus unseren Projekttagen

Ein Bericht von Barthel Pester aus dem Team von Werkstatt Zukunft.

Erster Projekttag: Lothar Matthäus und ein alter Mercedes

Workshoptag eins im 8. Jahrgang der IGS Flötenteich um 8 Uhr: Im Dezember ist es um diese Uhrzeit noch immer nicht so richtig hell. Doch die Gruppe ist hellwach, scheint zumindest so: 23 Schüler:innen (SuS), zwei Gebärdendolmetscherinnen, zwei Schulbegleiter:innen, zwei Lehrer:innen – sehr coole Gruppe. Und im Laufe des Tages kommen noch zwei Referent:innen vorbei.

Worüber möchten wir gemeinsam an diesem Tag sprechen und uns miteinander dazu austauschen? Das Thema ist Integration und Verantwortung: Vielfalt nutzen – Zukunft gestalten. Dazu fallen uns folgende Begrifflichkeiten ein: Alltagsrassismus, Mobbing, Gleichbehandlung, Unbegleichbehandlung, Integration, Verantwortung, gegen Rassismus, Krieg und Frieden, Flucht, Imigration, Emigration, über diese Themen wird viel zu wenig gesprochen, … und noch viel mehr...

Wer sind eigentlich DIE?

Referentin Sara Pasquali stellt sich nicht vor. Das ist Teil des Plans. Warum? Die erste Frage erklärt das: Was siehst du? Wie sehe ich aus? Und da kommt von den SuS ohne Ende was zusammen: Frau, nett, sportlich, sympathisch, selbstbewusst, deutsch, Ausbildung gemacht, joggen, boxen, großer Hund, kleiner Hund, fettes Auto, kleines Auto und so weiter und so weiter.

Warum stellt Sara SuS diese Frage? In der Regel beurteilen wir Menschen nach ihrem Äußeren. Wir sehen nur die äußere Hülle: Eigentlich habe ich blonde Haare, doch ich habe sie schwarz gefärbt. Wir sind schnell dabei, Menschen in Kategorien zu stecken. Aber es ist natürlich blöde, aufgrund seiner Klamotten beurteilt zu werden.

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Alltagsrassismus gegen Sinti und Roma

Sara gehört der deutschen Minderheit der Sinti an. Sinti leben seit dem 14. Jahrhundert in Deutschland. Zu dieser Zeit begann die erste Fluchtbewegung aus Indien Richtung Europa. Und: Sara ist Kind einer Oldenburger Schaustellerfamilie. Diese beiden Merkmale konnten die SuS „von außen“ nicht erkennen. Sara hat zeit ihres Lebens doppelte Diskriminierung erfahren, wie sie erzählt. Ob in der Schule, in der Ausbildung, bei der Führerscheinprüfung oder beim Überreichen des Uni-Diploms: Das Z-Wort ist allgegenwärtig. Auch heute.

Sara ist Trainerin und Beraterin in Bezug auf Rassismus, Empowerment in Behörden wie z.B. der Polizei, dem Jobcenter, in Volkshochschulen und Schulen und sie bietet Argumentationstraining gegen Stammtischparolen an.

Zum Hintergrund: Roma leben seit etwa 1890 in Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt fand die zweite Fluchtbewegung aus Südosteuropa (mit dem dortigen Ende der Sklaverei) Richtung Deutschland statt.

Eigentlich sind wir in Deutschland vor dem Grundgesetz alle gleich. Dafür gibt es sogar seit 2006 ein Gesetz: das AGG, also das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Das AGG schützt das Alter, die Religion, die Herkunft, die Sexualität, das Geschlecht, die Behinderung. Und es soll vor Diskriminierung schützen. Eigentlich …

Also: Wer sind eigentlich die oder alle, von denen populistisch regelrecht schwadroniert wird? DIE gibt es nicht und nicht die ALLE. Saras Tipp: bitte nicht verallgemeinern und nicht pauschalisieren. Danke Sara.

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Was siehst du?

Beim nächsten Referenten, Jan Fomboh, funktioniert Saras Fragespiel für den Einstieg schon nicht mehr so gut, denn Jans Hautfarbe ist schwarz. Das Spiel funktioniert eigentlich doch ganz gut, aber anders als bei Sara. Das machen die Fragen nach seiner Herkunft deutlich: Mexico, Brasilien, Togo, Afrika, Asien, Frankreich und weitere Vorschläge. Sehr gute Frage: Bist du ein Geflüchteter. Der Lerneffekt ist natürlich ein großer, denn allein unsere Hautfarbe führt uns zu anderen Fragen. Welche Sprachen sprichst du?

Jan ist Sozialarbeiter und stammt aus Kamerun, geboren im französischsprachigen Teil Kameruns, aufgewachsen und Abitur gemacht im englischsprachigen Teil Kameruns.

Jan spielt schon seit seiner Kindheit Fußball und erzählt anschaulich, wie er sich über diese Sportart in Oldenburg integriert hat. Alltagsrassismus erlebt er auch auf dem Fußballplatz. Das hat ihn schon oft sehr nachdenklich gemacht, wenn ihn die Mannschaft, von der er ein Mitspieler ist, bei diesen Anfeindungen nicht unterstützt. Dabei ist Fußball eine Mannschaftssportart.

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Schule ohne Rassismus – Rassismus in Schule

Anhand eines aktuellen Beispiels in einer Grundschule in Wilhelmshaven, in der eine neunjährige schwarze Schülerin verdächtigt worden ist, Mitschülerinnen in einer Sporthalle beim Umkleiden zu fotografieren oder zu filmen, haben wir versucht, uns in die Perspektive der bei diesem Vorfall handelnden Personen zu versetzen.

Zweiter Projekttag: Fahrscheinkontrolle – ich fahre weiß

Das Beispiel für Alltagsrassismus in einer Wilhelmshavener Grundschule beschäftigt die SuS sehr. Es ist ja auch kaum vorstellbar, wenn einem neunjährigen Mädchen wegen eines vermeintlichen Vergehens acht (!) Erwachsene gegenüber stehen. Dann auch noch in einer Grundschule, dem vermeintlich sicheren Raum schlechthin. Die Gruppe ist gespannt darauf zu erfahren, wie es der Neunjährigen geht und wie sich die Schule ihr gegenüber zukünftig verhalten und ob gegen die ermittelnden Polizeibeamt:innen rassistische Vorwürfe aufgenommen werden.

Szenenwechsel in den Tanzraum der IGS Flötenteich: Richard Kouadio, Musiker und Tänzer aus der Elfenbeinküste, bringt eine andere Energie in die Gruppe hinein durch Musik aus seiner Heimat und durch tänzerische Bewegungen. Die IGS hält eigens für solche bewegenden Absichten einen Tanzraum mit Spiegelwand vor. Sehr cool.

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Richard ist 2008 vor dem Bürgerkrieg übers Meer nach Deutschland geflohen. Er erzählt, dass er die Wahl hatte, für die eine oder für die andere Rebellengruppe zu kämpfen. Richard wollte weder das eine noch das andere und entschied sich dafür, seine Heimat zu verlassen.

Schwarzer Tag für Schwarzfahrer

Fahrscheinkontrolle: ihre Fahrkarten, bitte. Doch alleine Richard sollte seine Fahrkarte zeigen. Niemand anderes im Waggon während einer Zugreise. Als Richard den Begriff des Schwarzfahrens endlich verstanden hatte, erfand er Weißfahren, doch diese Wortschöpfung wollte der Fahrkartenkontrolleur nicht verstehen (und lustig fand er es auch nicht).

Heißt für uns im Alltag, sensibler mit unserer Wortwahl umzugehen, denn wir verletzten Menschen, ob wir das beabsichtigen oder nicht. Das spielt keine Rolle: Wir verletzen sie. Darauf Rücksicht zu nehmen ist ja überhaupt kein Problem.

Schule ohne Rassismus – Rassismus in Schule

Anschließend: Spannender Besuch aus dem Niedersächsischen Landtag. Die Abgeordnete Lena Nzume aus Oldenburg, bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, fordert für den Lernort Schule diesen als diskriminierungsfreien Raum. Es brauche schließlich „Handlungssicherheit für alle Beteiligten, sensibel und empathisch miteinander umzugehen". Mit acht Jahren ist Lena nach Deutschland gekommen. Aufgewachsen ist sie in Kamerun. Sie hatte eine tolle Grundschullehrerin, die sie unterstützt hat in ihrer Schullaufbahn. Was es bedeutet, diskriminiert zu werden, hat sie in allen Schuljahren erlebt. Beruflich hat sie u.a. als Bildungskoordinatorin für die Stadt Oldenburg gearbeitet. Lenas Plädoyer: Das Schulsystem sollte zuvorderst diejenigen unterstützen, die von zu Hause aus weniger unterstützt werden: „Es muss gerechter werden."

Verschieden glauben, gemeinsam leben

Mehmet Tolan, Gülistan Ibrahim und Basam Mihi heißen unsere nächsten Gäste im 8. Jahrgang. Sie eint die monotheistische Religion des Yezidentums. Die Yeziden haben keinen Propheten und kein heiliges Buch. Sie glauben an einen allmächtigen Schöpfer, den sie mit den Namen Ezda oder Hoda rufen. Die wörtliche Übersetzung aus dem Kurdischen wäre: „Der, der mich, sich und die Zeit erschaffen hat."

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Ankommen und bleiben

Mehmet Tolan seit 1969 in Deutschland. Er stammt aus dem Osten der Türkei. Sein erster Job war bei Nürnberg beim Bau des Donau-Kanals. In Oldenburg und umzu hat Mehmet Tolan in Baumschulen gearbeitet. Bei seiner Ankunft hat er kein Wort deutsch gesprochen.

Basam Mihi ist seit fünf Jahren hier und macht gerade sein Abitur. Basam ist im Irak, in Singhal, geboren. Er hat den Genozid 2014 erlebt und hat dabei so Vieles gesehen, das ein Kind in seinem Alter nicht sehen sollte.

Gülistan Ibrahim ist 2. Vorsitzende des Yezidischen Forums in Oldenburg. Sie studiert Französisch, Werte, Normen und Philosophie. Seit 2001 lebt sie in Deutschalnd. Wie Basam hat auch Gülistan eine Fluchtgeschichte. Geboren in Singhal ist sie als Vierjährige mit ihren Eltern gekommen. Der Vater hat als irakischer Soldat den 2. Golfkrieg überlebt und sah für sich und seine Familie im Irak keine Perspektive. Ihre Mutter ist Analphabetin.

Zum Hintergrund: Bis zu 250.000 Yezid:innen leben in Deutschland. In Oldenburg und umzu sind es etwa 7.000 Yezid:innen. Vom 02. auf den 03.08.2014 kam es zu einem Genozid des sogenannten Ilsamischen Staates (IS) gegen Yezid:innen. Bis heute sind noch ca. 2.000 Frauen und Mädchen in der Gewalt des IS. Am 19.01.2023 hat der Deutsche Bundestag die IS-Verbrechen an den Yezid:innen als Völkermord anerkannt.

Doppelte Minderheit als Kurde und als Yezide

Mehmet Tolan erzählt, dass „Deutschland ist immer gut zu mir gewesen, denn hier fragt mich niemand, ob ich Yezide bin." Das sei der große Unterschied zu den Herkunftsländern der Yezid:innen. In seinem Geburtsland Türkei sei er doppelt diskriminiert worden: zum einen als Yezide und zum anderen als Kurde. Er fährt fort, dass er dann zunächst Gastarbeiter war, ein paar Jahre später Ausländer und seit etwa 30 Jahren Mitbürger. Dabei schmunzelt er.

Tolerantes Miteinander: Diejenigen Yezid:innen, die nach 2014 in Oldenburg angekommen sind, leiden eher unter Vorurteilen gegenüber Gruppen mit Zuwanderungsgeschichte als diejenigen Yezid:innen, die hier geboren sind.

Mit dem Herzen denken!

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Die Sendereihe

Werkstatt Zukunft produziert monatlich eine TV-Sendereihe, die bei Oldenburg eins und bei weiteren Bürgersendern ausgestrahlt wird. Über unsere Website und unseren YouTube-Kanal sind unsere Videos zeitlich und räumlich unbegrenzt zu sehen.

Ein Projekt von Werkstatt Zukunft mit der IGS Flötenteich

Das Projekt Integration und Verantwortung: Vielfalt nutzen – Zukunft gestalten wird gefördert durch...

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... die Lotto-Sport-Stiftung... | Website

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...und das Amt für Zuwanderung und Integration der Stadt Oldenburg | Website

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Werkstatt Zukunft in Kooperation mit der IGS Flötenteich sowie mit Oldenburg eins und weiteren Bürgersendern.


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