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Avant-Garde Arab Music: Neue Kompositionen

Musik-Workshop & Aufnahmen

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Was passiert, wenn das arabische Streichinstrument Qanun und die arabische Flöte Ney auf traditionelle westliche Streichinstrumente wie Violine, Viola und Violoncello treffen? Ihr Zusammenspiel schafft eine neue und außergewöhnliche Klangwelt.

Tandem Project

AGYA-Mitglied Dr. Rami Chahin (Oldenburg) und Dr. Mohammed Alkatan (Kuwait) tauchen in diese Klangwelt ein, um die außergewöhnliche Interaktion von arabischer und westlicher Musik weiter zu erforschen.

Fünf zeitgenössische Musikstücke warten darauf, von neugierigen Ohren gehört zu werden.

Der Musikwissenschaftler Rami Chahin versammelte ein vielfältiges Ensemble von Komponisten und Musikern aus Brasilien, Kanada, Ägypten, Deutschland, Italien, Japan, den Niederlanden, Palästina, Polen und Syrien, die eine zeitgenössische Interpretation der traditionellen arabischen Maqamat wagten. Als Ergebnis wurden fünf innovative Stücke zeitgenössischer Musikkompositionen aufgenommen: „Mit diesem Projekt versuchen wir, das gemeinsame Erbe der mikrotonalen Musik in Europa und den arabischen Ländern zu verbinden.“

Mikrotonale Musik - Erkundung des Reichtums des „Dazwischen“

Die traditionelle arabische Musik und die klassische westliche Musik sind in unterschiedlichen Philosophien, Ästhetiken und - besonders auffällig - Tonalitäten verwoben. Die arabische Musik folgt einem mikrotonalen System: Einem Tonsystem, das bestimmte Intervalle kleiner als ein Halbton vorsieht. Sie ist bekannt für ihren Reichtum und ihre Vielfalt an Tonintervallen, die sich von der westlichen Zwölftonmusik unterscheiden. Das mikrotonale Intervall ist die tonale Grundlage für die so genannte Maqamat, ein Konzept aus der arabischen Musiktheorie.

Ein weiteres Hauptmerkmal der arabischen Musik ist ein hoher Anteil an Improvisation: Arabische Musiker haben eine hohe Fähigkeit entwickelt, verschiedene Klangtechniken und Maqamat frei auszuführen und kreativ zwischen ihnen zu modulieren. Verschiedene Intervalle werden verwendet, um unterschiedliche Gefühle auszudrücken.

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Diese vielfältigen klanglichen Möglichkeiten und Ausdrucksweisen führen zu einem großen Reichtum an klanglichen Mustern, die der klassischen westlichen Musik neue Horizonte eröffnen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich zahlreiche Komponisten mit der Frage nach einem alternativen Tonsystem für ihre innovativen Werke auseinandergesetzt. Das mikrotonale System bietet ein breites Spektrum, aus dem man schöpfen kann.

Die Verschmelzung von traditioneller arabischer und klassischer westlicher Musik schafft nicht nur „eine“ neue Klangfarbe. Durch die reichen Möglichkeiten der Mikrotöne entsteht ein musikalischer Regenbogen, in dem jede Schattierung klanglich ausgedrückt werden kann. Während die mikrotonalen Maqam-Intervalle tief in der arabischen Kultur verwurzelt sind, können sie für westeuropäische Ohren eine ungewohnte Erfahrung sein. Dies war jedoch nicht immer der Fall, wie Rami Chahin erklärt: „Das temperierte Zwölftonsystem begann die variablen mikrotonalen Systeme erst im 15. Jahrhundert zu ersetzen, als Tasteninstrumente und Saiteninstrumente wie die Laute die Live-Musikaufführungen zu dominieren begannen. Später, im 17. Jahrhundert, begannen Musiker, die von dem deutschen Organisten, Komponisten und Theoretiker Andreas Werckmeister entwickelte wohltemperierte Stimmung zu verwenden.“

Der Klang des Regenbogens: Hulm | Dream| Traum von Rami Chahin

Was der Regenbogen mit seinem Reichtum an Nuancen für die Welt der Farben ist, ist die Mikrotonalität für die Welt der Musik. Um das gesamte Klangspektrum hörbar zu machen, hat Rami Chahin Musiker versammelt, die traditionelle Maqam neu interpretieren. Ein Beispiel dafür ist Chahins Komposition ‚hulm’ (arabisch für Traum).

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In diesem einzigartigen Stück trägt der Tenorsänger Hussain Atfah ein Gedicht des syrischen Dichters Muhammad al-Maghout (1934-2006) vor. In diesem Gedicht ist ein Mann auf der Suche nach Liebe, Orientierung und seinen eigenen Wurzeln in Zeiten der „elektrischen Köpfe“. Er träumt davon, gemeinsam mit seiner Geliebten in die Heimat auszuwandern. Dieser Traum bleibt ein Traum, den sie aufgeben, weil sie das Leben in der Wüste ausgelotet haben, die ihr Herz besitzt.

Dieses Gedicht diente Rami Chahin als Inspiration für seine Komposition, in der er die in der Levante bekannten Maqamat namens jharka, al-desht, bayati und rast verwendete.

Al-Maghout gilt als Vater der arabischen freien Versdichtung, der die arabischen Gedichte von der traditionellen Form befreite und die Struktur der Gedichte revolutionierte. Sowohl die Komposition als auch das Gedicht brechen mit Konventionen und gewinnen die Freiheit, die Zwischenräume zu erkunden.

Hören Sie die Komposition ‚hulm’ (arabisch für Traum) von Rami Chahin und den Tenorsänger Hussain Atfah, der ein Gedicht des syrischen Dichters Muhammad al-Maghout vorträgt.

Musiker:innen

Daniel Moreira – Dirigent
Hussain Atfah - Tenor
Valentina Bellanova - Na
Basem Alkhouri - Qanoon
Leonardo Cella - Violin I
Kana Sugimura - Violin II
Anna Szulc - Viola
Martha Bijlsma - Violoncello

Das Projekt „Avant-Garde Arab Music“

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Werkstatt Zukunft ist Kooperationspartner der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) für die Dokumentation des Projektes „Avant-Garde Arab Music“, das unter dem Dach der bei der BBAW angesiedelten „Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA)“ durchgeführt wird.

Im Rahmen diese Dokumentation stellen wir neben Musikvideos auch Interviews mit den beteiligten Musikern und Wissenschaftlern vor. Diese werden nach und nach bearbeitet und veröffentlicht.


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