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THEMEN > JUGEND – BILDUNG – KULTUR

Avant-Garde Arab Music: Neue Kompositionen

Musik-Workshop & Aufnahmen

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Was passiert, wenn das arabische Streichinstrument Qanun und die arabische Flöte Ney auf traditionelle westliche Streichinstrumente wie Violine, Viola und Violoncello treffen? Ihr Zusammenspiel schafft eine neue und außergewöhnliche Klangwelt.

Tandem Project

AGYA-Mitglied Dr. Rami Chahin (Oldenburg) und Dr. Mohammed Alkatan (Kuwait) tauchen in diese Klangwelt ein, um die außergewöhnliche Interaktion von arabischer und westlicher Musik weiter zu erforschen.

Fünf zeitgenössische Musikstücke warten darauf, von neugierigen Ohren gehört zu werden.

Der Musikwissenschaftler Rami Chahin versammelte ein vielfältiges Ensemble von Komponisten und Musikern aus Brasilien, Kanada, Ägypten, Deutschland, Italien, Japan, den Niederlanden, Palästina, Polen und Syrien, die eine zeitgenössische Interpretation der traditionellen arabischen Maqamat wagten. Als Ergebnis wurden fünf innovative Stücke zeitgenössischer Musikkompositionen aufgenommen: „Mit diesem Projekt versuchen wir, das gemeinsame Erbe der mikrotonalen Musik in Europa und den arabischen Ländern zu verbinden.“

Der Klang des Regenbogens

Was der Regenbogen mit seinem Reichtum an Nuancen für die Welt der Farben ist, ist die Mikrotonalität für die Welt der Musik. Um das gesamte Klangspektrum hörbar zu machen, hat Rami Chahin Musiker versammelt, die traditionelle Maqam neu interpretieren.

Hier finden Sie alle Musikstücke und Interviews mit den Musiker:innen, wenn sie fertiggestellt sind.

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Rami Chahim: Der Traum. In diesem einzigartigen Stück trägt der Tenorsänger Hussain Atfah ein Gedicht des syrischen Dichters Muhammad al-Maghout (1934-2006) vor. August 2022 | Themenseite

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Streich Quartett Nr. 11 von Amr Okba. Das Streichquartet lässt den Hörer zunächst im Ungewissen. Diese Komposition von Amr Okba ist weder im klassischen Maqam noch eindeutig in der tonalen westlichen Musik geschrieben. Beide Einflüsse sind jedoch hörbar. Oktober 2022 | Themenseite

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Streichquartett: Divide von Marc Sabat. Das Stück Divide von Marc Sabat ist ein Meisterwerk der mikrotonalen Musik. Die Komposition ist ein homogenes Gemisch aus Obertönen von nur einem Ton. Die Musik beschränkt sich auf nur acht Obertöne, die fast ununterbrochen in genau derselben aufsteigenden Reihenfolge wiederholt werden. 2022 | Themenseite

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Streichquartett: La forêt pétrifée von Stefan Pohlit. In diesem experimentellen Musikstück scheint es, als ob das Quartett zu einer Einheit, einem Instrument und einer Kraft verschmilzt. Die Musik ist als langsam wachsend und verschwindend zu beschreiben, wie Wellen, die sich zurückziehen und mit voller Wucht an die Küste zurückkommen. Oktober 2022 | Themenseite

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Streichquartett: Paravolí von Samir Tamimi. In Paravolí setzen alle vier Streicher gleichzeitig ein und erzeugen so einen Eindruck von Mikrotonalität. In diesem Musikstück erlebt der Zuhörer die ganze Bandbreite an Emotionen: von den sanften bis zu den aggressiven Aspekten der Musik, von extremer Lautstärke bis zu zarter Sanftheit. Oktober 2022 | Themenseite

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Quatuor à Cordes von Shafi Badreddin. Dieses Musikstück kann als Beispiel für eine avantgardistische arabische Musikform betrachtet werden. Zu dieser Musik kann man auf sehr unterschiedliche Weise tanzen: ausdrucksstark, manchmal sehr schwungvoll und mit ständig wechselndem Tempo und Dynamik. Oktober 2022 | Themenseite

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Über verschiedene Hörarten der mikrotonalen Musik. Ich wünschte, wir in Europa könnten die Techniken für ein besseres Hören von unseren türkischen oder arabischen Kollegen lernen, die ein vernünftigeres Hörvermögen haben. Ein Interview mit dem Geiger Leonardo Cella. November 2022 | Themenseite

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Über die Erfahrung, traditionelle arabische und klassische Operngesangstechniken zu kombinieren. Ich denke, dass es notwendig ist, neue Rahmenbedingungen und theoretische Konzepte einzuführen, um die arabische Musik weiterzuentwickeln und gleichzeitig ihre Identität zu bewahren. Ein Interview mit dem Sänger Hussein Atfeh. November 2022 | Themenseite

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Über verschiedene Spieltechniken der Ney in der zeitgenössischen Musik. Die Ney ist natürlich für mikrotonale Musik geeignet! Im Interview demonstriert die Musikerin Valentina Bellanova verschiedene Techniken, wie sie mit ihrem Flöteninstrument sowohl traditionelle als auch zeitgenössische mikrotonale Musik spielen kann. November 2022 | Themenseite

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Wie mikrotonale Musik in das klassisches Musikstudium integriert werden kann. In dem Interview erzählt die Cellistin Martha Bijlsma über ihre Erfahrungen, als klassische Cellistin arabische mikrotonale Musik in einer Gruppe zu spielen. November 2022 | Themenseite

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Über die Mischung von Kulturströmen in der Musik. In dem Interview spricht der Qanun Spieler Basem Al Khouri über seine Erfahrung mit traditionell arabischer Musik sowie klassischer westlicher Opernmusik. November 2022 | Themenseite

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Über die Gewöhnung des Gehörs an Mikrotöne. Die Bratschistin Anna Szulc ist mit klassischer Musik großgeworden. Sie spricht über ihre Erfahrung, Mikrotöne zu entdecken und zu erleben und wie ihr Gehör sie langsam aber sicher lieben gelernt hat. November 2022 | Themenseite

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Wie Musik und Kultur zusammenhängen. Kana Sugimura ist mit japanischer und westlicher Musik großgeworden. Jetzt lernt sie Mikrotöne der arabischen Welt kennen. Sie sieht einen Zusammenhang von Musik, Sprache, Umwelt und die Art zu denken. November 2022 | Themenseite

Mikrotonale Musik - Erkundung des Reichtums des „Dazwischen“

Die traditionelle arabische Musik und die klassische westliche Musik sind in unterschiedlichen Philosophien, Ästhetiken und - besonders auffällig - Tonalitäten verwoben. Die arabische Musik folgt einem mikrotonalen System: Einem Tonsystem, das bestimmte Intervalle kleiner als ein Halbton vorsieht. Sie ist bekannt für ihren Reichtum und ihre Vielfalt an Tonintervallen, die sich von der westlichen Zwölftonmusik unterscheiden. Das mikrotonale Intervall ist die tonale Grundlage für die so genannte Maqamat, ein Konzept aus der arabischen Musiktheorie.

Ein weiteres Hauptmerkmal der arabischen Musik ist ein hoher Anteil an Improvisation: Arabische Musiker haben eine hohe Fähigkeit entwickelt, verschiedene Klangtechniken und Maqamat frei auszuführen und kreativ zwischen ihnen zu modulieren. Verschiedene Intervalle werden verwendet, um unterschiedliche Gefühle auszudrücken.

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Diese vielfältigen klanglichen Möglichkeiten und Ausdrucksweisen führen zu einem großen Reichtum an klanglichen Mustern, die der klassischen westlichen Musik neue Horizonte eröffnen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich zahlreiche Komponisten mit der Frage nach einem alternativen Tonsystem für ihre innovativen Werke auseinandergesetzt. Das mikrotonale System bietet ein breites Spektrum, aus dem man schöpfen kann.

Die Verschmelzung von traditioneller arabischer und klassischer westlicher Musik schafft nicht nur „eine“ neue Klangfarbe. Durch die reichen Möglichkeiten der Mikrotöne entsteht ein musikalischer Regenbogen, in dem jede Schattierung klanglich ausgedrückt werden kann. Während die mikrotonalen Maqam-Intervalle tief in der arabischen Kultur verwurzelt sind, können sie für westeuropäische Ohren eine ungewohnte Erfahrung sein. Dies war jedoch nicht immer der Fall, wie Rami Chahin erklärt: „Das temperierte Zwölftonsystem begann die variablen mikrotonalen Systeme erst im 15. Jahrhundert zu ersetzen, als Tasteninstrumente und Saiteninstrumente wie die Laute die Live-Musikaufführungen zu dominieren begannen. Später, im 17. Jahrhundert, begannen Musiker, die von dem deutschen Organisten, Komponisten und Theoretiker Andreas Werckmeister entwickelte wohltemperierte Stimmung zu verwenden.“

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Das Projekt „Avant-Garde Arab Music“

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Werkstatt Zukunft ist Kooperationspartner der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) für die Dokumentation des Projektes „Avant-Garde Arab Music“, das unter dem Dach der bei der BBAW angesiedelten „Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA)“ durchgeführt wird.


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