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Schluss mit Bologna-Frust: Studierende nehmen ihre Bildung nachhaltig selbst in die Hand

Von Organisationsteam NachDenkstatt, Dezember 2014

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Oldenburg: Vom 21. bis 23. November fand an der Universität Oldenburg die von Studierenden organisierte "NachDenkstatt" statt.

Monotone Frontalveranstaltungen, Klausurstress und trockene Theorie adé! Das sagte sich eine Gruppe von 20 StudentInnen des Studiengangs "Sustainability Economics and Management" und organisierte in einjähriger ehrenamtlicher Vorbereitungszeit ihre eigene Bildungskonferenz:

Die "NachDenkstatt", eine praxisorientierte Studierendentagung zu nachhaltigkeitsbezogenen Fragestellungen, fand vergangene Woche zum dritten Mal in der Oldenburger Universität statt. Bereits vor drei Jahren hatten Studierende mit dem Willen mehr Praxisbezug in die universitäre Ausbildung zu bringen die erste NachDenkstatt-Konferenz unter dem Motto "Forschen - Verbinden - Gestalten" auf die Beine gestellt.

"Damit die gesellschaftliche Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung gelingen kann müssen wir als Nachwuchswissenschaftler mehrere Sichtweisen miteinander vereinen und in gemeinsamen Gesprächen Unternehmen, Bürgerinitiativen und die Politik an einen Tisch bringen", sagt Benjamin Brockhaus (28), einer der 20 diesjährigen studentischen Organisatoren der Nachdenkstatt.

So geschah es am vergangenen Wochenende im Hauptgebäude der Universität: Über 65 Studierende aus Oldenburg und ganz Deutschland trafen sich mit 30 Unternehmern, Managern, Aktivisten und Wissenschaftlern um aktuelle Fragestellungen des Nachhaltigkeitsdiskurses zu beleuchten und zu hinterfragen. Dazu hatten die Studierende fünf Arbeitsgruppen organisiert. Deren Kernthemen reichten von Konzepten zur Verpackungsvermeidung, Wertschöpfungsketten zur Herstellung nachhaltiger Textilien, über die Beleuchtung von Missverständnissen im Finanzsystem bis zum Nachhaltigkeitstheater und einer sozialpsychologischen Auseinandersetzung mit Konsumverhalten.

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"Das besondere an der Nachdenkstatt ist, dass die Diskussion zwischen Praxispartnern und Studierenden auf Augenhöhe stattfindet" betont Brockhaus. "Wir bekommen Antworten auf unsere Fragen aus erster Hand, praxisnah und in einer Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung."

Auch schon der Vorbereitungsprozess der Tagung sei von besonderer Qualität gewesen - denn nach dem Prinzip "Learning-by-Doing" erlangten die Vorbereiter selbst einen fundierten Wissens- und Erfahrungsschatz und konnten in der Planung und schließlich Durchführung eine Selbstwirksamkeit erfahren, die sonst in der Uni nur selten gefördert wird.

Die inhaltlichen Workshops, die von Freitag bis Sonntag stattfanden, wurden von einem reichhaltigen Rahmenprogramm ergänzt. So diskutierte am Freitagabend der Postwachstumsökomomie-Experte Prof. Dr. Niko Paech unter der Moderation von "Kostbar"-Herausgeber Barthel Pester im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit verschiedenen Unternehmern über "Hemmnisse für nachhaltiges Wirtschaften". Am Samstagabend sorgte die Oldenburger Theatergruppe "Wat ihr wollt" durch ihre Improvisationen für brandende Begeisterung bei den Konferenzteilnehmern.

Dass die Organisatoren und Teilnehmer der NachDenkstatt die Sache mit der Nachhaltigkeit ernst nehmen, zeigte sich neben der Themenauswahl auch an der Konferenzverpflegung. So gab es nur vegetarisches und veganes Essen Verpflegung aus überwiegend regionalen und saisonalen Produkten. Auch um die Kohlenstoffemissionen, die durch die Anreise der Teilnehmenden verursacht wurden, kümmerten sich die Studierenden in dem sie über Klimaausgleichszahlungen für die Pflanzung einer entsprechenden Menge an Bäumen sorgten.

Damit es nicht beim bloßen "Reden über Nachhaltigkeit" bleibt, organisierten die Studenten für das Ende der Veranstaltungen einen "Markt der Möglichkeiten" , bei dem sich 24 ökologisch-sozial engagierte Vereine und Initiativen aus Oldenburg vorstellten und den Teilnehmenden zahlreiche Ansatzpunkte bot, wie und wo sie selbst - im eigenen Leben - ins Handeln kommen können.

Dieses Konzept der NachDenkstatt begeistert nicht nur die Studierenden selbst, sondern findet auch von Seiten der Professoren zunehmenden Zuspruch: So standen mehrere Lehrstühle im Bereich der Umwelt- und Wirtschaftswissenschaften mit Rat, Geld und Tat hinter den Studierenden.

Denn bereits jetzt ist die nächste Studierendengeneration in den Startlöchern um die Organisation fürs kommende Jahr in Angriff zu nehmen.

Die NachDenkstatt, als eine von Studierenden selbst organisierte Bildungswerkstatt an der Schnittstelle zwischen nachhaltigem Denken und Handeln, wird also auch im nächsten Spätherbst die Räume der Universität mit Leben füllen.

Auf diese Wiese leisten die Studierenden ihren eigenen Beitrag dazu, dass die "Übermorgenstadt" Oldenburg auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeitsbildung ihrem Namen treu werden kann.

Website NachDenkstatt