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THEMEN > POLITIK – GESELLSCHAFT – DEMOKRATIE

Schweigeminute für Lorenz A.

Gedenken in seiner früherer Schule, der IGS Flötenteich, zum Jahrestag seines Todes durch Schüsse der Polizei

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Daumendrücken für die Demokratie ist zu wenig. Das erachten auch Schüler:innen der IGS Flötenteich als gefährlich und deswegen setzen sie sich für ein Erinnern an ihren ehemaligen Mitschüler ein. Beteiligt ist die Schülervertretung, die Anti-Rassismus AG und weitere. Das erfordert Engagement, mitunter auch Mut und ist mehr als „nur“ Daumendrücken. Und es heißt, dass Schüler:innen aktiv an Prozessen des demokratischen Streits und der vernünftigen Urteilsbildung teilhaben möchten. Von wegen unpolitische Jugend.

Fünf Schüsse von hinten

Am 20.04.2026 hat sich der gewaltsame Tod von Lorenz A. in Oldenburg das erste Mal gejährt. In der IGS Flötenteich ist aus diesem Anlass in vielen Klassen um 8.15 Uhr eine Schweigeminute durchgeführt worden, um an Lorenz, den ehemaligen Mitschüler, zu erinnern.

In der Nacht zum 20.04.2025 feuerte ein 27-jähriger Polizist fünf Schüsse auf Lorenz A. von hinten ab. Vier davon trafen ihn am Kopf, Oberkörper und an der Hüfte, eine Kugel streifte seinen Oberschenkel. Zuvor wurde Lorenz A. der Zutritt in einen Club verwehrt. Nach einer Auseinandersetzung setze er Reizgas gegen Security-Mitarbeitende ein und flüchtete anschließend in die Innenstadt, wo die Polizei auf ihn traf.

Gegen den Polizisten, der geschossen hat, wurde Anfang November Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Ob es zur Hauptverhandlung kommt, prüft das Gericht im Zwischenverfahren. Wie lange diese Prüfung dauert, ist unklar. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ fordert eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse in der Tatnacht. Und es müsse wegen Totschlags ermittelt werden, sagte ihr Sprecher Suraj Mailitafi.

Rechtsstaat, freie Wahlen, Sie wissen schon …

Die liberale Demokratie steckt weltweit in einer existenziellen Krise. Dabei versprach sie einst, das politische Fundament für die aufgeklärte, freie und egalitäre Gesellschaft von morgen zu schaffen. Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin, leitet das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung. Sie glaubt daran, dass die Demokratie in Deutschland zu retten ist. Womöglich von Migrant:innen:

„Für sehr viele, die kommen, ist die liberale Demokratie ein heiliges Gut. Fragt man Flüchtlinge, warum sie nach Deutschland gekommen sind, antworten die meisten: Wegen der Menschenrechte. Wenn diese Menschen davon erzählen, was sie in Diktaturen erlebt haben, können sich manche demokratiegesättigten Deutschen vielleicht noch rechtzeitig erinnern, was sie hier gerade so nonchalant opfern: 19 Grundrechtsartikel – 19 Versprechen auf Würde, Gleichheit und Freiheit, jedes davon beauty in its own.

Es stimmt: All diese Versprechen werden nur unzureichend eingelöst. Das ist eine der Ursachen für die Krise der liberalen Demokratien und verlangt nach strukturellen Reformen und Umverteilungen. Dass viele jetzt aber zu denken scheinen, dann lassen wir’s halt ganz mit ihr und versuchen es lieber mit illiberalen, autoritären Methoden, ist gefährlich. Siehe USA.“

Daumendrücken für die Demokratie ist zu wenig

Das erachten auch Schüler:innen der IGS Flötenteich als gefährlich und deswegen setzen sie sich für ein Erinnern an ihren ehemaligen Mitschüler ein. Beteiligt ist die Schülervertretung, die Anti-Rassismus AG und weitere. Das erfordert Engagement, mitunter auch Mut und ist mehr als „nur“ Daumendrücken. Und es heißt, dass Schüler:innen aktiv an Prozessen des demokratischen Streits und der vernünftigen Urteilsbildung teilhaben möchten. Von wegen unpolitische Jugend.

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„Ich bin dabei“ – Demokratie aktiv gestalten

Diese Videos aus unserem Projekt sind fertig. Weitere folgen in Kürze.

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Schweigeminute für Lorenz A. Gedenken in seiner früherer Schule, der IGS Flötenteich, zum Jahrestag seines Todes durch Schüsse der Poli­zei. Mit einer Schweigeminute setzen seine frühe­ren Mitschüler:innen ein Zeichen der Trauer, des Gedenkens und der demokrati­schen Beteiligung. April 2026 | Themenseite

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Tahsim Durgun in „seiner“ Schule. Demokratie lernen in der Schule – Der Autor und Social-Media-Star Tahsim Durgun (29) ist Sohn aus der Türkei eingewanderter Eltern, Absolvent eines Lehramtsstudiums, Comedian und mehr. Schüler:innen seiner früheren Schule im Gespräch mit ihm. März 2026 | Themenseite

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„Mama, bitte lern deutsch“. Tahsim Durgun liest aus seinem Buch in der IGS Flötenteich in Oldenburg, an der er 2015 Abitur gemacht hat, im Rahmen des Projektes „Demokratie lernen in der Schule“, führt viele Gespräche mit den heutigen Schüler:innen – auch einige Lehrkräfte kennt er noch! März 2026 | Themenseite

Gefördert durch

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Unser Projekt „Ich bin dabei – Demokratie aktiv gestalten“ wird im Rahmen der Förderung von demokratischer Beteiligung von Schülerinnen und Schülern in der Schule und ihrem gesellschaftlichen Umfeld (DBS) durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.

junge demokratie-werkstatt

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In der jungen demokratie-werkstatt fassen wir unsere Projekte zu Medien- und Demokratie­bildung zusam­men. Oft sind dies kleinere Projekte, die von unter­schiedlicher Seite gefördert werden und uns aus aktuellem Anlass besonders am Herzen liegen. Alle Videos findet ihr in unserer Mediathek auf der Themenseite | Mediathek

Die Sendereihe

Werkstatt Zukunft produziert monatlich eine TV-Sendereihe, die bei Oldenburg eins und bei weiteren Bürgersendern ausgestrahlt wird. Über unsere Website und unseren YouTube-Kanal sind unsere Videos zeitlich und räumlich unbegrenzt zu sehen.

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Werkstatt Zukunft ist eine Initiative der Zivilgesellschaft im Nordwesten in Zusammenarbeit mit Oldenburg eins und weiteren Bürgersendern, mit Schulen, Kultur- und Bildungseinrichtungen und vielen weiteren Partner:innen.


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