Werkstatt Zukunft
Werkstatt Zukunft

THEMEN > FRIEDEN – GERECHTIGKEIT – EINE WELT

Patricia Gualinga – Stimme Lateinamerikas

Vom Kampf der Sarayaku gegen Ölförderung und Umweltzerstörung, der Amazonassynode und von der Frauenbewegung zum Schutz des Regenwaldes

Bild

Patricia Gualinga führt mit der indigenen Gemeinschaft Sarayaku einen erfolgreichen Kampf gegen internationale Ölkonzerne. Sie verhindern das Eindringen in ihr Territorium und den Abbau der Bodenschätze. Die Geschichte der Kichwa-Gemeinde fordert auf, die herrschenden zerstörerischen Lebens- und Wirtschaftsweisen in Frage zu stellen. Patricia Gualinga berichtet auch von der Amazonassynode in Rom, zu der sie als Teil einer kleinen indigenen Delegation eingeladen war.

Das Interview führte Canan Barski aus dem Team von Werkstatt Zukunft anlässlich einer Veranstaltung mit Patricia Gualinga und Grupo Sal in Oldenburg. Übersetzung (Untertitel) Astrid Hermann. Den folgenden Text übernehmen wir aus der Ankündigung der Veranstaltung durch das Ökumenische Zentrum Oldenburg.

Patricia Gualinga

„Während andere aufgeben mussten, wird Sarayaku niemals aufgeben“, verkündete Patricia Gualinga, die Sprecherin der indigenen Kichwa-Gemeinde Sarayaku, in einem Gespräch mit Amazon Watch im Jahre 2013. Das kleine Dorf führt seit Langem einen erfolgreichen Kampf gegen das Eindringen in ihr Territorium durch internationale Ölkonzerne für die Gewinnung von Öl, Gas und Mineralien und erlangte so weltweite Bekanntheit.

Patricia Gualinga war seit Beginn an vorderster Front des Konflikts, eine zentrale Figur im Prozess gegen den Staat Ecuador beim Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte und starke Führerin einer stetig wachsenden Frauenbewegung zum Schutz des Amazonas-Regenwalds. Unerschütterlich und mit einer unglaublichen Gelassenheit kämpfte Patricia Gualinga zu Zeiten der Krise und des Wandels.

In ihrer Rolle als Botschafterin war Patricia Gualinga auf der ganzen Welt unterwegs: auf internationalen Veranstaltungen, wie der UN-Konferenz indigener Völker in New York, der Weltklimakonferenz in Paris und der Amazonas-Synode in Rom im Oktober 2019.

Bild

Patricia Gualinga setzt, als langjährige führende Persönlichkeit Sarayakus, den Kampf um das Territorium und ein Leben in Einklang mit der Natur im größeren Kontext der internationalen Bemühungen um eine nachhaltige Zukunft. Die Bewahrung der Traditionen und der reichen kulturellen Identität und der eigene Brückenschlag in die sogenannte Moderne erschaffen einen kreativen Raum für einen unerlässlichen Dialog und Austausch in einer Zeit am Scheideweg. Sie ist dabei Sprecherin ihres Dorfes und auch Vorbild vieler Frauen in der Verteidigung des Regenwalds.

Die Geschichte von Sarayaku fordert auf, die herrschenden zerstörerischen Lebens- und Wirtschaftsweisen radikal in Frage zu stellen. Durch den Dialog mit indigenen Völkern erhalten wir einen Einblick in ein in wohlhabenden Ländern weitgehend verloren gegangenes Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Gleichzeitig gibt der Blick auf die indigenen Kulturen Hinweise auf Alternativen und Lösungen auf mögliche Auswege aus der drohenden Katastrophe. Ist es möglich emeinsame Strategien zur Bewältigung der aktuellen globalen Krisen zu entwickeln? Und wie können dabei auch diejenigen profitieren, die am wenigsten zu diesen Krisen beigetragen haben und doch am stärksten von den Auswirkungen betroffen sind?

Diese Auseinandersetzung ist ein wichtiges Element bei der Suche nach Antworten für unsere Zukunft. Lösungsstrategien, die nur von den Verursachern der Zerstörung kommen, werden allein nicht helfen – selbst wenn sie gut gemeint sind.

Über die Sarayaku

Im Amazonasurwald Ecuadors liegt die Gemeinde Sarayaku der indigenen Kichwa. Sie selbst nennen sich das „Volk des Zenits“, ein Begriff, der aus einer uralten Legende herrührt. Die Gemeinde ist weltberühmt und gilt als Symbol des indigenen Widerstands gegen das Eindringen großer Erdölkonzerne in deren Territorium und der Behauptung der Eigenständigkeit zwischen Tradition und Moderne in unserer globalisierten Welt.

Die Gemeinde wurde weltbekannt durch den langjährigen erfolgreichen Kampf gegen internationale Ölkonzerne. Auf höchster internationaler Ebene verklagte das kleine Dorf den Staat Ecuador beim Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahre 2002. Die Regierung von Ecuador hatte das Territorium der Kichwa ohne Rückfrage für die Ölbohrung freigegeben. Die Gemeinde ließ sich nicht einschüchtern und zehn Jahre später gaben die Richter den Dorfbewohnern Recht und die Gemeinde erhielt 1,3 Millionen Dollar Schadensersatz. Mit diesem Geld gründete das Dorf die erste indigene Bank in Ecuador, eine eigene Bildungseinrichtung und sogar eine eigene Fluggesellschaft.

Dennoch gelang es der Gemeinde ihren indigenen Lebensstil, der sich im Einklang mit der Natur befindet, zu bewahren. Das Dorf lebt vom Sammeln, Jagen und Fischen und somit ist für die Kichwa das Territorium von zentraler Wichtigkeit, da es die Lebensgrundlage der Gemeinde bildet. Die Zerstörung des Regenwalds würde das Ende der Gemeinde bedeuten. Die Beziehung zu „Mutter Natur“ ist somit nicht einfach nur ein abstraktes Konzept oder eine Metapher, sondern etwas Alltägliches, eine gelebte Realität.

Zu Gast in Oldenburg

Patricia Gualinga war im November 2019 gemeinsam mit Grupo Sal in Oldenburg zu Gast. Grupo Sal ist eine lateinamerikanische Musikgruppe, die seit ihrer Gründung 1982 auf brisante entwicklungs- und umweltpolitische Themen musikalisch-künstlerisch aufmerksam macht.

Die Veranstaltung wurde von Ökumenischen Zentrum Oldenburg organisiert und fand in Kooperation mit der Klima Allianz Oldenburg, dem Internationalen Fluchtmuseum, den Parents for future, der Ev.-Luth. Kirche, dem Agendabüro der Stadt Oldenburg, terre des hommes, amnesty international, Oldenburg handelt fair und dem Klima-Bündnis statt und wurde finanziell gefördert von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, dem AStA der Universität Oldenburg, dem Katholischen Fonds, dem Forum St. Peter und Engagement Global.


Nach oben