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Werkstatt Zukunft

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Der Verschenkmarkt sucht eine neue Bleibe

Von Redaktion, April 2018

Seit 16 Jahren nützlich und erfolgreich: Der Verschenkmarkt muss umziehen. Wer weiß eine geeignete Fläche in Oldenburg? Hinweise an das Agendabüro der Stadt oder an Werkstatt Zukunft.

Werkstatt Zukunft hat vor einiger Zeit über das erfolgreiche Projekt berichtet:

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Oldenburg alternativ: Der Verschenkmarkt
Schüler*innen des 10. Jahrgangs der Helene-Lange-Schule erkunden Oldenburg mal anders als gewohnt und stellen ein Projekt vor, das zugleich nachhaltig und sozial ist.
Januar 2017 | Themenseite

Der Verschenkmarkt ist in Gefahr

Im April 2002 wird der Oldenburger Verschenkmarkt im alten Hallenbad am Berliner Platz eröffnet. Er ist eine zentrale Annahmestelle für ausgemusterte Konsumgüter und bis heute eines der erfolgreichsten Oldenburger Agenda 21-Projekte. Neben dem Umweltschutzaspekt, nämlich Abfallvermeidung und sparsamem Umgang mit Ressourcen, kommt dieses Projekt Menschen zugute, die sich den ständigen Erwerb neuer Konsumgüter nicht leisten können. Den Verschenkmarkt „erfunden“ hat Käthe Nebel, die im Juli 2008 für ihre langjährigen Verdienste im Umweltschutz und im sozialen Bereich das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam.

Das alte Hallenbad muss einem Einkaufszentrum weichen und so schließt der Verschenkmarkt dort am 1.10.2006 seine Pforten. Aber als Alternative wird bereits seit September 2004 auf dem Gelände der Firma MACO in Osternburg eine „Außenstelle“ betrieben, die nun zum alleinigen Standort des Verschenkmarktes wird.

Nun droht das Ende dieser beliebten Einrichtung: Ende September 2018 steht die bis jetzt genutzte Halle nicht mehr zur Verfügung, weil das gesamte südliche Hafengebiet für Neubauten von Wohnungen und Gewerbeflächen vorgesehen ist. Es wird dringend nach einer neuen Halle gesucht, weil sonst das Ende des Verschenkmarktes besiegelt ist.

Der Markt erfreut sich großen Zuspruchs: Personen aller Altersgruppen und aus unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Zusammenhängen begegnen sich hier, um gebrauchte, aber noch völlig intakte Gegenstände des täglichen Lebens zu finden oder abzugeben. An vier Tagen in der Woche hat der Verschenkmarkt geöffnet. Für zwei Stunden haben die Kunden Zutritt und können pro Person fünf Gegenstände kostenlos mitnehmen, wobei ein Porzellan-Service für z.B. sechs Personen als ein Teil zählt.

Meistens bildet sich vor der Öffnungszeit draußen eine lange Schlange Wartender. Die Nachfrage ist groß und viele sind sehr froh, wenn sie gefunden haben, was ihnen fehlt. Trotz der Enge in der Halle und trotz des Gedränges beim Einlass gehen alle freundlich und höflich miteinander um. Wenn es zu Rangeleien kommt, können die Beteiligten meistens schnell besänftigt werden. Das ist nicht immer einfach, denn fast alle Sprachen dieser Welt sind vertreten.

An einem hinteren Tor treffen während der Öffnungszeit laufend Lieferungen ein. Abgesehen von größeren Möbelstücken wird alles dankbar angenommen: Geschirr, Glas, Besteck, Töpfe, Pfannen, kleine Elektro-Geräte, Oberbekleidung für Damen, Herren und Kinder, Schulranzen, Spielzeug, Puzzles, Schuhe, Hüte, Handtaschen, Koffer, Bilderrahmen, DVDs, CDs, Aktenordner, Bücher, Dekorationsgegenstände, Gardinen und vieles andere mehr.

Alle Mitarbeiter des Verschenkmarktes sind Ehrenamtliche. Eine Schicht dauert vier, manchmal fünf Stunden: eine Stunde Aufräumen, zwei Stunden Kunden- und Anlieferverkehr, danach mindestens eine Stunde Einräumen der neu eingetroffenen Gegenstände, Aufräumen und Saubermachen. Während einer Schicht müssen mindestens sechs (besser acht) Mitarbeiter zum Einsatz bereit sein, sonst ist dieser Ablauf nicht zu schaffen. Es werden im Monat etwa rund 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, das sind 6 000 pro Jahr. Ungefähr besuchen 2 500 Kunden den Verschenkmarkt im Monat, das sind etwa 30 000 im Jahr.

Oldenburg würde eine beispielhaft sinnvolle und von vielen Menschen genutzte Einrichtung verlieren, wenn der Verschenkmarkt Ende September ohne Alternative schließen müsste!

Text: Jan Janssen Bakker, April 2018