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Werkstatt Zukunft

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Joseph Beuys - Ein Gespräch

Von Andreas Büttner

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Joseph Beuys | Foto Erich Puls via Flickr

Persönliche Erinnerungen zum 30. Todestag am 23. Januar 2016

„Jeder Mensch ein Künstler“ – das ist einer der prägenden Sätze von Joseph Beuys, der mit seinem ‚erweiterten Kunstbegriff’ die Grenzen des bis dahin eng definierten Kunstbetriebs sprengen wollte. Den sozialen Organismus – ein Begriff, den er von Rudolf Steiner übernommen hatte – wollte er im Sinne einer Sozialen Plastik mitgestalten.

Dazu diente beispielsweise ein 100-tägiger Gesprächseinsatz auf der Dokumenta 1972 mit seinem Büro für direkte Demokratie. Dass es dort keine fertigen Antworten gab, gehörte zum Konzept – der Prozess, in den die Besucher*innen einbezogen wurden, war das Entscheidende.

Auch die 7000-Eichen-Aktion unter dem Motto ‚Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung’ war ein sozialer Prozess, der mehrere Jahre dauerte und das Stadtbild Kassels, der Stadt in der ich seit meinem 7. Lebensjahr aufgewachsen bin, bis heute prägt.

Als Jugendlicher und junger Erwachsener habe ich diese Aktionen als kreativ, nachhaltig und öffentlichkeitswirksam erlebt und verdanke ihnen viele Impulse.

Die persönliche Begegnung mit Beuys in Kassel und bei Tagungen in Achberg am Bodensee war immer bereichernd und lebte von dem zugewandten Interesse, das er der jungen Generation entgegenbrachte. Das muss auch eine besondere Qualität im Verhältnis zu seinen Studierenden gewesen sein. Prägnante Setzungen, mit denen er provozieren wollte und undogmatische Offenheit waren für mein Erleben bei Beuys kein Gegensatz.

Freiheit im Geistesleben – ein Gespräch

Gern erinnere ich mich an ein langes Gespräch mit Beuys, das ich mit einem ehemaligen Mitschüler aufgezeichnet habe. Das Gespräch fand Anfang 1974 in Kassel im Haus von Familie Thönges in unmittelbarer Nachbarschaft meines Elternhauses statt. Rhea Thönges-Stringaris war seit der documenta 1972 mit Beuys befreundet und arbeitete mit ihm zusammen. Ich hatte Beuys schon vorher persönlich kennen gelernt, als er bei meinen Eltern zu Besuch war.

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Beuys Gesprächspartner waren Clemens Suwelack und ich. Clemens macht gerade sein Abitur an der Kasseler Waldorfschule, ich hatte das im Vorjahr absolviert und eben mein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Göttingen begonnen.

Joseph Beuys nahm sich Zeit für das Gespräch mit uns, das wir für ‚forum international’ führten, eine internationale Waldorfschülerzeitung, deren Gründung wir vorbereiteten und die im März 1974 zum ersten Mal erschien (parallel in einer deutschen und englischen Ausgabe).

Ein Auszug aus dem Gespräch ist in der ersten Nummer der Zeitschrift erschienen. Leider hat Beuys nicht mehr die Zeit gefunden, das ganze Manuskript durchzusehen und freizugeben. So blieb das Gespräch in seiner vollen Länge unveröffentlicht.

In Erinnerung geblieben ist mir die freundschaftliche Atmosphäre, in der wir miteinander gesprochen haben. Als das Band lief, sagten wir ‚Sie’ – sonst war das ‚Du’ im Umgang mit Beuys selbstverständlich, wollten wir doch gemeinsam die Welt im Sinne der Sozialen Plastik und der direkten Demokratie verändern.

Das Gespräch, so wie wir es damals veröffentlicht haben:

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